La Ferte´Alais 2010

 

Impressionen einer Airschow

 

La Ferte Alais 2010

 

Etwa eine Stunde südlich von Paris ,vorbei an den Vorstadtsiedlungen der Metropole und raus aus dem Smog, fährt man einer traumhaften landschaft entlang zu einer der wohl schönsten Airshow  Europas.

Tausende Fans pilgern jedes Jahr den Berg hinauf durch das Nadelöhr La Ferte Alais zum nahe gelegenen Aerodrome Cerny.

Man kommt vorbei an schäbigen Hallen die voll sind mit alten Flugzeugteilen, die darauf warten

irgendwann wieder zum Leben erweckt zu werden.

 

Man hört in der Ferne das Grollen von Motoren und sieht eine Fw 190 in enger Formation mit einer Spitfire über den Platz donnern. Das ist eine Begrüßung vom allerfeinsten.

"Leon" Marc Mathis steigt aus dem deutschen Kampfflieger aus ,setzt seine passende Luftwaffen Mütze auf und begrüßt die Leute.

Am Nachmittag wird die Ruhe jeh gestört als zwei Rafale der Marine ihr Display über dem Gelände abhalten.

"Rut" einer der Piloten kommt später auf den Platz und gesellt sich zu den alten Hasen wie Marc Matthis und tauscht mit ihm Erfahrungen aus.

Am Freitag ist dann die Ankunft weiterer Teilnehmer welche mit einem Begrüßungs Überflug ihre Ankunft zelebrieren. Dieser ist Tradition und eine Geste der Höflichkeit an den Veranstalter.

 

Aus England kam Stephen Grey der Chef der Fighter Collection und brachte eine Spitire Mk.Vb sowie zwei Hawker Hurricans und eine Me 109 "Buchon"mit.

Außergewöhnlich war daß eine Hurricane von einer Frau geflogen wurde, Anna Walker.

Aus Deutschland kam Thomas Jülch mit seiner sehr seltenen und außergewöhnlichen Polikarpov IL-16 Rata.

Er mußte beim Landen zwei Anläufe nehmen da er beim erstenmal mit dem Rad einen Hasenbau traf und somit die Rata nach oben katapultierte.

Wir halfen ihm am Abend den Flieger in die Halle zu schieben da nun ihr einziger Feind die Feuchtigkeit ist.

Viele Flugzeuge kommen direkt von der Amicale Jean- Baptiste Salis, da die sich auf den Erhalt und die Restauration von Flugzeugen aller Art spezialisiert hat. Hierher kommen sogar Profis aus aller Welt und suchen Rat oder lassen ihre Warbirds vom Fachpersonal der Amicale überholen.

 

Am Wochenende beginnt sie dann ,"die Große aller Airschow´s" mit dem historischen Teil der Fliegerei.

 

Der erste Weltkrieg wurde demonstriert durch Luftkämpfe mit gleich drei Fokker Dr.I und ihren Gegnern einer SE 5A ,SPAD VII sowie einer Nieuport 17.

Das wirkliches Highlight war die Pearl Harbor Show. Sie zeigt einen Schauplatz der Geschichte des zweiten Weltkrieges und ist in Europa einmalig. Man stelle sich vor wie eine Staffel AT-6 Texan eine P-40 und eine A6m Zero gleichzeitig starten.

Eine der Texan wird zu einem Luftkampf mit der Zero gezwungen wobei über die Lautsprecher das Rattern der MGs´zu hören ist . Die Texan versucht ihrem erbitterten Gegner zu entkommen und liefert sich einen erfolglosen Dogfight. Man hört die Geschosse der Zero durch die Luft zischen und vernimmt das Knallen der Einschläge in das Metall der Texan.

Rauch schießt aus dem Motor , die Maschine verliert rapide an Höhe bis sie Schlussendlich hinter dem Wald explodiert. Einen Augenblick später bekommt man Mitleid mit dem Piloten aber die Rache der Alliierten wartet nicht lange.

Die Staffel der Texan hoch oben in der Luft setzen zum Boden Angriff auf das Airfield an und bombardieren es so lange bis nur noch ein Mix aus Feuer und Rauch übrig bleibt.

Feuerpilze gefolgt von Donnerschlägen und dichtem Rauch sind bei dieser Einlage ein authentischer Effekt.

Nun kommt die P-40 ins Spiel und lässt erahnen das die Stunde der Zero geschlagen hat !

Die Warhawk kann sich hinter den japanischen Aggressor setzen und vernichtet ihn mit gezielten Feuerstößen aus ihren 6 Guns vom Kaliber 50.

Der Japaner versucht nochmal an Höhe zu gewinnen dreht sich aber auf den Rücken und rast brennend zu Boden. Die Fans des Szenarios heben triumphierend die geballte Faust in die Höhe als wollten sie sagen ; „Ja ,gut gemacht“.

Aus dem Rauch des Flugfeldes steigt nun der B-25 Mitchell Bomber zu seiner Mission auf , begleitet von einer Spitfire MK XIX die von dem Flieger Ass Christophe Jacquard geflogen wird.

Der Mitchell dreht einige Runden hinter dem Platz bis er zum tiefen Überflug mit seinen geöffneten Bombenschacht ansetzt.

Ohrenbetäubender Lärm erschüttert die Luft, gefolgt auch hier von brachialen Bombenschlägen...

Als alle Flugzeuge wieder sicher gelandet waren war der Jubel groß und die Piloten wurden frenetisch gefeiert.

Wie gesagt , diese Show ist einmalig !

 

Ein weiterer Schauplatz des Krieges wird durch die Messerschmitt 109 , Spitfire und Hawker Hurricane präsentiert.

Der sogenannte “Battle of Britain“ hatte 2010 sein 70 jähriges Jubiläum .

Hier legte man allerdings größten Wert auf die Darbietung der sehr selten gewordenen Maschinen.

Ohne große Effekte und alles sehr ursprünglich.

Die Piloten flogen ihre Platzrunden und Jean Pierre , der Sprecher fand das alles sehr; „extra ordinär“.

Des weiteren gab es Solo Vorführungen der P-51 D Mustang sowie der Fw-190 geflogen von Marc Mathis der später auch einige Erläuterungen über die Maschine gab. Die Focke Wulf stürzte 2 Wochen später bei einem Training für die 100 Jahre Marine Airshow an der Cote d´Azur ab.

Anlässlich der "100 Jahre Aeronavale", der französischen Navy gab es einen Heritage Flight mit 2 Rafale und einer TBM Avenger. Die TBM wurde eigens aus diesem Grund umgebaut und mit den Farben der französischen Marine versehen.

Die meisten Teilnehmer flogen ihre Maschinen im Einzel- Displays vor.

Darunter die IL16 „Rata“ , eine AD4N Skyraider, Ju 52 3m und verschiedene Yak Typen.

Der Abschluss für alle sogenannten Warbird´s bestand darin sie in kleinen Gruppen durch die Platzrunde zu führen . Das kennt man sonst nur aus englischen Airshow´s aber la Ferte Alais ist ja bekanntlich das Duxford des Südens.

Hier konnte man wirklich gute Bilder verschiedenster Typen in Formation machen.

Das Wetter und die Darbietung waren wirklich extra ordinär.

Die Französische Navy rundete die Show mit spektakulären Überflügen von je zwei Super Etendarts, Rafale und einer E-2 Hawkeye ab.

Alles in allem waren es 6 Stunden geballte Vorführungen verschiedenster Epochen der Luftfahrt, gespickt mit vielen Solo Kunstflügen und vor allem; "Warbirds ohne Ende..."

Wer sich etwas Zeit nimmt und unter der Woche vor der Airshow anreist , sollte sich die Hallen und das Gelände näher anschauen. Hier gibt es viele interessante Dinge zu entdecken, angefangen von Restaurationsstätten der Amicale bis hin zu Flugzeugteilen die seit vielen Jahren dort herum liegen.

Es ist wie ein Spielplatz für große Jungs deren Träume mit der Fliegerei verbunden sind und diesenTraum nie aufgegeben haben.

Genauso war es der Traum von Jean-Baptiste Salis, Flugzeuge zu restaurieren und für kommende Generationen zu erhalten. Aus diesem Grund gibt es die alljährliche Airshow an Pfingsten, im kleinen Duxford des Südens...

 

Michael Ziem

 

Freitag, 16. November 2018